[HH] Kundgebung “Solidarität mit den angeklagten Genoss*innen in Thessaloniki – stoppt die Repression gegen Refugees und selbstorganisierte Projekte in Griechenland!” Griechisches Konsulat

VERHAFTUNGEN BEI RÄUMUNG VON REFUGEE SQUATS IN THESSALONIKI

Am Mittwoch, 27. Juli 2016 wurden in Thessaloniki anarchistische Hausprojekte geräumt. In der nordgriechischen Hafenstadt drangen in den frühen Morgenstunden Polizeikräfte gewaltvoll in das Nikis-Squat, in das Orfanotrofeio und in das im Rahmen des No Border Camps neu besetzte Hurriya-Squat ein. Die dort untergebrachten Refugees wurden zu Militärcamps bzw. in ein Abschiebeknast gebracht, die anwesenden Aktivist*Innen wurden mehr als 30 Stunden in einer Tiefgarage eingepfercht, ohne dass sie Zugang zu Nahrungsmitteln gehabt hätten. Unter ihnen befanden sich auch je ein*e Genoss*In aus Kiel und aus Osnabrück. Die Aktivist*Innen aus dem Nikis-Squat wurden bereits wegen „Störung öffentlicher Ordnung“ und Sachbeschädigung angeklagt, in dem folgenden Schnellprozess wurden jedoch nur die Genoss*Innen aus Thessaloniki zu Bewährung bzw. zu Geldstrafen verurteilt. Die Verhandlungen gegen die Aktivist*Innen aus dem Orfanotrofeio wurden auf den 03. August, der Hurriya-Prozess auf den 5. August vertagt, genau wie der Prozess gegen die beiden norddeutschen Genoss*Innen.

Die SYRIZA-Regierung in Griechenland setzt damit ihre Repressionspolitik der Räumungen der Protestcamps in Idomeni, Polikastro und anderer Orte fort. Griechenland als Ausführungsorgan der EU-Politik versucht durch hartes Eingreifen Kontrolle zu suggerieren und die Solidaritätsbewegung und gemeinsame Organisierung von Refugees und Unterstützer*innen zu zerschlagen. Nicht nur Griechenland, sondern die gesamte EU lässt Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Camps, so dass manche sogar regelrecht verrecken. Nur einen Tag nach der Räumung der Squats in Thessaloniki verstarb nur wenige Kilometer entfernt, im Softext-Militärcamp, eine 17jährige Schwangere aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung. Menschen werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, diskriminiert, illegalisiert und entwürdigt. In einer Stellungnahme des No Border Camps heißt es dazu: „Greece has been ground zero in Europe’s efforts to halt irregular migration for several years. At the same time, the country’s economic crisis has exasperated social divisions leading to increasing violence and hostility directed at foreigners. With massive financial and operational assistance provided by the European Union, Greece has confronted migratory pressures by emphasizing interdiction, detention, and removal, to the detriment of the protection of vulnerable migrants and asylum seekers. Conditions at its detention centres are regarded as among the worst in Europe.“

Um den herrschenden Zuständen sozialrevolutionäre Alternativen entgegenzustellen, kämpfen in Griechenland Genoss*Innen für Freiräume und besetzen leerstehende Gebäude. In die Selbstverwaltung der Squats sind vielerorts Refugees eingebunden, die hier teilweise auch wohnen, sich organisieren, … Das Hurriya-Squat wurde erst kürzlich im Rahmen des No Border Camps zusammen von Refugees und Aktivist*Innen besetzt. Hier vereinen sich antirassistische Kämpfe mit antikapitalistischem Häuserkampf usw., weshalb die Repressionsorgane nun mit aller Härte zuschlagen: Da außerdem die Räumungen der Besetzungen in Thessaloniki zeitlich parallel durchgeführt wurden und der Abriss des Orfanotrofeio unmittelbar erfolgte, ist davon auszugehen, dass dieser Auftakt einer Repressionswelle bereits länger geplant war. Das No Border Camp, Demonstrationen und Aktionen in Thessaloniki werden von staatlicher Seite nun als Legitimation des Vorgehens herangezogen, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Refugee-Selbstorganisation und solidarische Bewegung dem griechischen Staat und der EU schon lange ein Dorn im Auge sind. Nach dem EU-Türkei-Deal, der Schließung der Balkanroute und der Kriminalisierung von Refugees und Unterstützer*innen, ist die neue Repressionswelle ein weiterer Schritt zur Erlangung der Kontrolle und Abwehr der Fluchtbewegungen und Verhinderung solidarischer Unterstützung und Selbstorganisation. Nachdem zeitgleich am Mittwoch auch das Camp im Hafen von Piräus bei Athen geräumt wurde, hat der Bürgermeister von Athen angekündigt, die selbstorganisierten Hausbesetzungen von, für und mit Refugees in Athen ebenfalls räumen zu wollen.

Auch wenn ein Großteil der angeklagten Aktivist*innen zunächst frei ist, sind die Repressionen gegen die griechische antirassistische Bewegung noch lange nicht Geschichte. In Thessaloniki werden neue Häuser für Wohnraum und Selbstorganisation sowie finanzielle Unterstützung für Anwält*innen und Prozesskosten benötigt und der politische Druck muss aufrechterhalten werden, um weitere Räumungen in Griechenland zu verhindern.

Zeigt euch solidarisch! Demonstriert, startet Aktionen, folgt den erfolgreichen Beispielen aus Griechenland und anderswo und besetzt gemeinsam Häuser! Unterstützt Menschen auf der Flucht auf jede Art und Weise und leistet so aktiv Widerstand gegen menschenfeindliche Politik und Repressionen.

Our passion for freedom is stronger than their prison!

Um unsere Solidarität mit den Aktivist*innen zu zeigen, wollen wir unseren Protest auch in Deutschland auf die Straße tragen:

DIENSTAG, 2. AUGUST 2016
Kundgebung / 12 Uhr / Griechisches Konsulat (Neue ABC-Straße 10) / Hamburg

GEMEINSAME BAHN-ANREISE AUS KIEL:
Treffen 9.40 Uhr an den Fahrkartenautomaten
Abfahrt 9.55 Uhr

Checkt www.facebook.com/nara.kiel und www.antifa-kiel.org um auf dem Laufenden zu bleiben!

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Refugees Welcome Camp 2016

Vom 30. Juli bis 1. August findet in Noer das Refugees Welcome Summer Camp statt. Es wird in Kooperation mit dem Bildungsprojekt “New Ways for Newcomers” und HAKI e.V. veranstaltet. Karten gibt es im Zapata Buchladen und  im Lunatique.

Alle weiteren Infos zum Camp gibt es hier:

https://www.facebook.com/events/260718940960885/

https://www.facebook.com/WelcomCamp/

 

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#naraontour 3.0 – Spendenaufruf für den Support von Refugees auf der Balkanroute

Seit Ende Juni sind Aktivist*innen von nara – netzwerk antirassistische
aktion aus Kiel wieder auf der Balkanroute unterwegs (Berichte von
Erlebnissen bisheriger Fahrten auf antiravernetzungsh.noblogs.org) und
unterstützen dort Menschen auf der Flucht auf unterschiedlichste Weise
(aktuell in Belgrad). Im Juli werden zwei weitere Gruppen aus Kiel zum
Support auf die Balkanroute und zum No Border Camp (15. Bis 24. Juli
2016) in Thessaloniki fahren. Dazu rufen wir euch zu Spenden auf.

Was passiert aktuell auf der Balkanroute?
Nach Monaten in denen tausende Menschen über die Balkanroute nach
Europa geflüchtet sind und viele Aktivist*innen sie dabei supportet
haben, wurde in den letzten Monaten von den EU- und Balkanstaaten
öffentlichkeitswirksam die Schließung der Balkanroute verkündet. Es
wurden Grenzzäune gebaut, Protest-Camps wie Idomeni in Nordgriechenland
geräumt und Abkommen, wie der EU-Türkei-Deal geschlossen. Während im
Mittelmeer aktuell hunderte Menschen sterben, ist es still geworden um
die Balkanroute.

Aber noch immer sitzen tausende Menschen in Griechenland unter
unmenschlichen Bedingungen in Lagern fest und protestieren dort für ihr
Recht auf Bewegungsfreiheit. Noch immer kommen jeden Tag, allen Aussagen
von europäischen Politiker*innen zum Trotz, mehrere hundert Menschen in
Belgrad an, die Erlebnisse von Gewalt, Folter und Gefängnis auf ihren
Weg durch Bulgarien bzw. Mazedonien berichten, und weiter reisen
möchten. Freund*innen berichten uns, dass an der serbisch-ungarischen
Grenze Hunderte unter unmenschlichen Bedingungen in ungarischen
Transit-Bereichen festsitzen. Und Unterstützer*innen drohen für jegliche
Unterstützung Flüchtender mittlerweile in fast jedem Land hohe Geld- und
Gefängnisstrafen.

Das No Border Camp 2016 in Thessaloniki
Vom 15. Bis 24. Juli findet in Thessaloniki in Nordgriechenland das No
Border Camp statt. Dort werden tausende Menschen, Geflüchtete,
Aktivist*innen aus Europa und viele andere zusammenkommen. Gemeinsam
wollen wir die Initiative ergreifen, diskutieren, zusammenleben,
langfristige solidarische Projekte starten und mit Aktionen gegen
Grenzen und die Festung Europa protestieren.

Wir brauchen deinen Support!
Wir fahren runter und wollen bereits auf dem Weg nach Thessaloniki in
Serbien und Mazedonien und in Griechenland selber auf verschiedenste
Weise Menschen vor Ort unterstützen, die Zustände dokumentieren und
darüber und über das No Border Camp berichten.

Auch andere Konvois, die gemeinsame Proteste organisieren und
Flüchtende unterstützen, sind bereits unterwegs nach Griechenland
(momentan ist die OpenCaravan aus Slowenien unterwegs nach Griechenland,
am 1. Juli startete der ALF-Konvoi aus Deutschland über die ungarische
Grenze nach Griechenland und am 11. Juli, also heute, startet aus
Frankfurt (Main) der Convoy of Solidarity über Italien nach
Griechenland).

Wie kannst du uns unterstützen?
Für die Unterstützung brauchen wir vor allem Geld, um vor Ort wichtige
Dinge einzukaufen, wie Medikamente, Decken, Zelte,…
Ihr könnt uns auch gerne schreiben, wenn ihr uns Sachspenden mitgeben
wollt (Zelte, Medikamente, Smartphones). Dazu schreibt uns bis zum 16.
Juli. Gleichzeitig benötigt das NoBorderCamp in Thessaloniki dringend
noch Spenden für Organisation, Infrastruktur, Shuttle von den Lagern zum
Camp, Küche,…

Spenden könnt ihr hier:

Direkt für das NoBorderCamp könnt ihr hier spenden:

Rote Hilfe Dresden
IBAN: DE72 3601 0043 0609 7604 34
BIC: PBNKDEFF
Betreff: No-Border-Camp Thessaloniki

Spendet gerne auf folgendes Konto der Roten Hilfe e.V., die das Geld
sinnvoll an uns und verschiedene Strukturen, die Flüchtende auf dem
Balkan unterstützen, weiterleiten:

Rote Hilfe e.V.
IBAN: DE18 4306 0967 4007 2383 04
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: “UnterstützungBalkan”

Wenn ihr Geld direkt an uns überweisen wollt, schickt uns gerne eine
email über unsere Homepage dann schicken wir euch die Kontoverbindung.

Unsere Berichte werden wir hier veröffentlichen, hier könnt ihr uns auch
kontaktieren:
www.twitter.com/no_border_kiel
www.antiravernetzungsh.noblogs.org

Mehr Infos zur aktuellen Situation auf der Balkanroute findet ihr hier:
www.moving-europe.org
www.bordermonitoring.eu
www.facebook.com/areyousyrious
www.openborder.noblogs.org

Mehr Infos über das No Border Camp 2016 in Thessaloniki und die
Solidaritäts-Konvois findet ihr hier:
www.noborder2016.espivblogs.net
www.noborder2016.espivblogs.net/2016/06/21/open-caravan-actions-schedule
www.alfpartout.blogsport.eu
www.noborder.beyondeurope.net/convoi

Danke für Eure Unterstützung!
Freedom of Movement is everybodies right!

Eure #naraontour-Crew

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nara.facebook-seite mit NEUER ADRESSE!

Unser “facebook-Auftritt” hat eine neue Adresse!

Wir sind nicht mehr länger unter “dublin.kiel” zu finden (in Anlehnung an unsere erste “anti-dublin-abschiebungs”-Kampagne), sondern neuerdings über:

https://www.facebook.com/nara.kiel

Bitte ersetzt die alte Adresse auf euren Seiten, Hinweisen usw.

antirassistische Grüße,

Ela

fürs nara [09.05.16]

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Veranstaltung für Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland am 27.04

Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland: Asylverfahren und Drohung mit Abschiebung
für Geflüchtete sowie ihre UnterstützerInnen und alle Interessierten

Mittwoch 27.04.16 // 18h // Vinetazentrum, Elisabethstraße 64, 24143 Kiel

Rund 150.000 Geflüchtete kamen im Jahre 2015 aus Afghanistan nach Deutschland.
Eine Ursache dafür war die Zunahme von Anschlägen, Gewalt und Kämpfen zwischen Regierungstruppen, Taliban und einer Vielzahl von Milizen und bewaffneten Gruppen im Land. Diese Anschläge und Kämpfe, aber auch Entführungen und Zwangsrekrutierungen haben mit dem Abzug der NATO-Kampftruppen zum 31. Dezember 2014 sprunghaft zugenommen.

Wegen der Überlastung des »Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge« konnte nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge auch im Jahre 2015 einen Asylantrag stellen, die meisten wurden auf 2016 vertröstet. Diejenigen, über deren Antrag entschieden wurde, erhielten meistens einen positiven Bescheid. Diejenigen, die einen negativen Bescheid bekommen haben, müssen eigentlich ausreisen. Aber wegen der Situation in Afghanistan erhalten sie eine Duldung.

Die Bundesregierung hat aber allgemein versprochen, die Zahl der Geflüchteten zu verringern. Erstes Ziel waren die Flüchtlingen aus den Staaten des Westbalkan und aus Nordafrika. Ziel waren aber auch die Geflüchteten aus Afghanistan: Ihnen wurde öffentlich unterstellt, sie hätten vor allem wirtschaftliche Motive. Die Bundesregierung hat öffentlich angekündigt, in Zukunft auch Abschiebungen nach Afghanistan möglich zu machen. Dort soll nach „sicheren Gebieten“ Ausschau gehalten werden. Geflüchtete, deren Asylantrag abgelehnt wurde, werden mit schriftlichen Ausreisefristen und Abschiebeandrohungen massiv unter Druck gesetzt.

Wir wollen bei dieser Veranstaltung das Land, seine Geschichte und die Fluchtgründe vorstellen. Anschließend gehen wir das Asylverfahren und die Möglichkeiten der Geflüchteten durch. Dabei soll es auch um die Möglichkeiten gehen, nach einer Ablehnung trotzdem eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten.

Mittwoch, 27. April , 18 Uhr, Vinetazentrum (Stadtbücherei, Elisabethstr. 64, 24143 Kiel)
Die Veranstaltung richtet sich an ehrenamtliche Unterstützer ebenso wie an die Geflüchtete selbst.
Der Vortrag ist zweisprachig, eine Dolmetscherin wird ins Dari (Ostpersisch) dolmetschen. Der Referent ist Reinhard Pohl (Journalist), es dolmetscht Rayana Fakhri (Dolmetscherin)

Eine Kooperation von:
Projekt „dazugehören“, ZBBS e.V.
netzwerk antirassistische aktion kiel [nara]
gefördert durch Aktion Mensch & Rosa-Luxemburg-Stiftung SH

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Veranstaltung für Geflüchtete aus Serbien und Mazedonien – Asylverfahren oder Visum zur Arbeit?

Geflüchtete aus Serbien und Mazedonien in Deutschland: Asylverfahren oder Visum zur Arbeit?
Veranstaltung für Geflüchtete aus „sicheren Herkunftsstaaten“ sowie ihre UnterstützerInnen und alle Interessierten

Mittwoch, 6. April, 18 Uhr, Vinetazentrum

Viele Geflüchtete kommen aus dem Krieg oder aus Diktaturen: Sie kommen aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Eritrea, Somalia oder Jemen. Es kommen aber auch viele aus den „armen Staaten“ Europas:
Albanien, Montenegro, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina oder Kosovo. Diese Geflüchteten, die Anfang 2015 fast die Hälfte aller Asylanträge stellten, wurden fast immer abgelehnt, erhielten eine Aufforderung zur Ausreise mit der Androhung der Abschiebung.
Inzwischen ist ihre Zahl auf 1 Prozent aller Asylanträge gesunken (Januar 2016).
Der Bundestag hat im August und Oktober 2015 diese sechs Herkunftsstaaten zu „sicheren Herkunftsstaaten“ erklärt. Damit sind auch die Regelungen im Asylrecht erheblich verschärft worden.

Wir wollen uns in dieser Veranstaltung vor allem mit den Geflüchteten aus Serbien und Mazedonien befassen, überwiegend Roma. Warum kommen sie, was sind die Gründe für die Flucht und den Asylantrag? Wie wirken sich die aktuellen Gesetzesänderungen aus? Und welche Möglichkeiten bleibt den Geflüchteten, die schon seit Monaten hier leben und sich durch die Teilnahme an Deutschkursen um Integration bemühen? Was ist, wenn eine Aufforderung zur Ausreise im Briefkasten liegt?
Wie funktioniert die neue Regelung seit dem 1. Januar, nach dem Einwohnerinnen und Einwohner dieser Länder ein Visum zum Arbeiten in Deutschland bekommen können?

Die Veranstaltung richtet sich an ehrenamtliche Unterstützer ebenso wie an die Geflüchteten selbst. Der Vortrag ist zweisprachig, eine Dolmetscherin wird in romanes dolmetschen.

Der Referent ist Reinhard Pohl (Journalist), es dolmetscht Alija Serifovic (Dolmetscherin für romanes)

Mittwoch, 6. April, 18 Uhr, Vinetazentrum
(Elisabethstraße 64, 24143 Kiel)
Eine Kooperation von:

Projekt „dazugehören“, ZBBS e.V.
netzwerk antirassistische aktion kiel [nara]

Unterstützt durch Aktion Mensch und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein

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#naraontour: Neuer Bericht über Situation in Idomeni

Bericht 20.03.16 Eidomeni (erste Crew) ++english version below++

#naraontour

Wir (erste #naraontour-Crew) sind nach wie vor in Eidomeni vor Ort. Es fällt schwer überhaupt von hier zu berichten. Im Prinzip verändert sich nichts. Die Lage wird lediglich immer aussichtsloser. Die Handlungsmöglichkeiten für die Flüchtenden werden immer eingeschränkter. Die Wahrscheinlichkeit, dass Grenzen wieder öffnen, werden immer geringer. Alternativrouten werden immer weiter abgeschottet. Die Polizei wird immer repressiver. Die Mangelernährung der Menschen wird immer schlimmer. Immer mehr Menschen sind krank. Die Stimmung im Camp und den umliegenden Gebieten eskaliert immer häufiger.

Kurz gesagt: Die Festung Europa ist am bisherigen Höhepunkt ihres rassistischen Vorgehens angekommen!

EU-Türkei-Abkommen

Die neue Verordnung zwischen der EU und der Türkei, hat hinterrücks ein komplett neues Asylgesetz aufgestellt, welches das Grundrecht auf Asyl verhöhnt, keine Möglichkeit der Einzelfallbetrachtung lässt und insgesamt vielmehr einem Menschenhandel gleicht. Diese besagt unter anderem, dass alle Menschen, die ab heute neu auf den griechischen Inseln ankommen, in die Türkei abgeschoben werden sollen. Für jeden Menschen, der „ordnungsgemäß“ von Griechenland zurück in die Türkei geschoben wird, soll dafür eine syrische Person, die sich in der Türkei registrieren ließ, in die EU gebracht werden.

Mehr Informationen unter: http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/warum_der_deal_mit_der_tuerkei_eine_schande_fuer_europa_ist/

Situation der Menschen in und um Eidomeni

 Alle Flüchtenden, die bereits in Griechenland sind, deren Durchreisepapiere („Kharti“ für zumeist 30 Tage) abgelaufen sind und  die sich aber weder für Asyl in Griechenland, noch das Relocation-Programm oder das Familyreunification-Programm beworben haben, sind in Gefahr in die Türkei abgeschoben zu werden.

Durch die täglichen Gespräche mit den Menschen hier in der Umgebung sind wir zu der Einschätzung gekommen, dass die „Kharti“ der allermeisten Menschen hier bereits abgelaufen sind oder in absehbarer Zeit ablaufen. Eine Verlängerung dieser ist nicht möglich. Viele der Menschen hier haben sich bisher für keines der oben genannten Programme beworben, da die Informationsvermittlung hierüber vollkommen unzureichend ist. Hinzu kommt, dass die Anmeldung zu einem der Programme nur über ein Skype-Telefonat, bei dem der/die Antragsteller*in einen Termin beim zuständigen Asylamt bekommt, erfolgen kann. Hierfür stehen aber bei weitem nicht genügend Kapazitäten in diesem Amt zur Verfügung, was dazu führt, dass es irrwitzig lange Wartezeiten oder kein Durchkommen in der Leitung gibt. Ohnehin gilt das Relocation-Programm nur für Menschen aus Syrien, dem Irak und einigen wenigen anderen Ländern, deren Anerkennungsquote in Asylverfahren über 75% liegt. Wir vermuten also, dass viele der Flüchtenden hier in der Region in den nächsten Tagen und Wochen akut von Abschiebung in die Türkei bedroht sein werden! Noch ist vollkommen unklar ob und wie dies durchgesetzt wird. Fest steht, dass die Zellen in den umliegenden Polizeistationen und Knästen bereits voll sind und vollkommen willkürlich oder aus Papier-„Gründen“ täglich neue Menschen verhaftet werden.

Praktischer Support

Wir unterstützen weiterhin täglich die Menschen, die sich an verschiedenen Orten außerhalb des offiziellen  Eidomeni Camps aufhalten. Als wir im Dezember und Januar hier waren (siehe damalige #naraontour-Berichte z.B. unter antiravernetzungsh.noblogs.org), war es so, dass sich die illegalisierten Menschen von diesen Orten aus auf den gefährlichen Weg durch Mazedonien gemacht haben. Seit die mazedonische Polizei in ihrem brutalen Vorgehen nun auch noch durch internationale Kräfte unterstützt wird, ist dieser Weg so gut wie unmöglich geworden. So ist es gekommen, dass die Menschen an diesen Orten nun zum großen Teil seit vielen Wochen ausharren. Unter ihnen sind viele Familien mit kleinen Kindern aus verschiedensten Herkunftsländern. Mittlerweile haben die meisten Gruppen eigene Kochstellen und wir versuchen die nötigen Nahrungsmittel und Utensilien zum Kochen bereitzustellen, um zumindest ein wenig eigenständiges Leben für die zutiefst prekarisierten Menschen zu ermöglichen. Neben Essens- und Kleiderversorgung bringen wir jeden Tag die politischen News und Informationen über die verschiedenen, oben genannten Programme mit und lassen diese vor Ort von den Menschen übersetzen, sodass diese involviert werden und wir ins Gespräch kommen. Es herrscht stets großes Interesse, aber es wird auch immer wieder deutlich, dass die EU-Programme keine Optionen sind. Jeden Tag fragen die Menschen uns gleichzeitig angsterfüllt und hoffnungsvoll, ob wir etwas gehört hätten, ob am nächsten Tag die Grenzen öffnen würden.

Individuelle Situationen

Mit einigen der Familien und Einzelpersonen haben wir Freundschaften aufgebaut und erfahren immer mehr über die einzelnen Schicksale. Die gesamt Familie einer Frau ist bereits in Deutschland und sie ist die einzige die nun zurückbleibt, da sie sich wenige Tage zu spät auf die Flucht begab und just die Grenzen schlossen. Einer Frau und ihren Kindern geht es genauso. Ihr Ehemann ist in Deutschland und erwartet sie dort. Eine Gruppe Marokkaner hat in Marokko einen Deutschkurs belegt. Sie sprechen perfekt und möchten in Deutschland studieren. Die Botschaft lehnte ihren Visumsantrag ab. Darum machten sie sich so auf den Weg und hängen nun hier fest. Insbesondere sie – sowie alle anderen Menschen die nicht aus Syrien oder dem Irak kommen – leben in ständiger realer Angst inhaftiert und über die Türkei in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden. Wir wissen von einigen Personen, denen dies bereits widerfahren ist.  Heute wurde wieder vollkommen willkürlich eine Gruppe von ca. 15 Menschen aus Pakistan inhaftiert.

WERDET AKTIV:

+ Organisiert Widerstand gegen den dreckigen Deal der EU mit der Türkei!

+ Prangert die Festung Europa als Ursache für die Vorgänge und Zustände an!

+ Organisiert Proteste gegen die menschenverachtende EU-Politik!

+ Reißt die Grenzen nieder, auch von Deutschland aus!

+ Lasst die Betroffenen nicht alleine!

+ Wir alle tragen die Verantwortung für die Situation hier und überall!

+ Für die globale Bewegungsfreiheit aller Menschen! +

FOLGT UNSEREN BERICHTEN – und verbreitet diese – AUF:

+ facebook: „nara – netzwerk antirassistische aktion kiel“

+ antiravernetzungsh.noblogs.org

+ twitter: no.border.kiel

UPDATES ÜBER DIE GESAMTE FLUCHTROUTE:

+ facebook: „Are you syrious?“

+ moving-europe.org

AUSSERDEM: AKTUELL UNTERSTÜTZUNG DRINGEND GESUCHT FÜR:

+ Macedonia Support Crew → contact: refugeesupportmacedonia@riseup.net

+ Belgrad Support Crew → contact: refugeesupportserbia@riseup.net

Report 20.03  Eidomeni (First Crew)

#naraontour

Still in Eidomeni, it is hard to report, because hardly anything changes. The situation just becomes more and more hopeless. It doesn’t seem like borders will open again, soon. And alternative routes are guarded better and better. Police becomes even more repressive, supply of the people worse, and more people are ill. The atmosphere in the camp and the surrounding area is escalating often.

In short, fortress Europe has reached its highest level of repression!

EU-Turkey-Deal

This deal has created a totally new legislation on asylum, that does not know any form of case-by-case-review, from behind. Now, people arriving at the Greece islands from now on, will be send back to Turkey. For any person sent back, one registrated Syrian from Turkey will cbe allowed to enter the EU.

More Information [in German]:

http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/warum_der_deal_mit_der_tuerkei_eine_schande_fuer_europa_ist/

 Situation in Eidomeni and surroundings:

All refugees, having neither valid papers (specially “Kharti” for 30 days), nor applied for asylum in Greece, nor applied the Relocation-Programm or the the Familyreunification-Program, are in concrete danger of deportations.

Most of the “Kharti” of the people here seem to be out of date, as we see it after many talks with refugees. It is not possible to get an extension. Moreover, most of the people did not apply for any of such programs, because there is hardly any information on that for refugees and they have to make an interview via skype to apply and get a date with the office. But, the office obviously has not enough capacities, at all. Anyway, the Relocation-Programm is reserved for people from Syria, Iraq and a small group of other countries. We suggest a concrete danger of deportation for many refugees in this region. There is no doubt, that the cells in the police stations and prisons in this region are already overcrowded and  there are people arrested at random or because of “paper reasons”.

Practical Support

Every day, we support people who are holding out at different places outside of the official camp Eidomeni. When we were here last time (read the old #naraontour reports on antiravernetzungsh.noblogs.org)  illegalized people moved on to the dangerous route across Macedonia from this places. Since Macedonian police is supported by international forces in its brutal acting, this has become almost impossible. Now, people mostly, specially families and small groups from different countries and many with young children, have been holding out at this places since weeks.

Many of these families and groups have built their own fireplaces, which they use for cooking. We try to provide them with groceries and cooking stuff. This shall help to afford them a bit of a self-contained life.  But, we do not only bring them food and clothes every day, moreover, we try to provide them with the current political news and information on those programs, which are translated by people, locally. This means, that they become involved and we get into talking. There is always a great interest, but it becomes obvious at many time, that those EU-programs are no option. Every day people ask, hopefully and frightened at the same time, will the border be open again at the next day.

Individual situations

We made friends with some of the families and find out more and more about there stories. For example, one woman’s whole family has already arrived and she is the only left back., because she started her flight just a few days too late. Another woman and here children are in the same situation. Their husband awaits them in Germany. A group of Moroccan people, who have learned German at home and speak it perfectly, wants to study in Germany. But, the embassy rejected their applications. So, they went on their way to Germany and have to hold out here, now. It is specially them – and all those people neither coming from Syria nor Iraq – who live in a ongoing fear about being imprisoned and deported. We know about some people who already got deported.

Today, again a group of fifteen from Pakistan was arrested without any reason.

GET IN ACTION:

+Organize resistance against the dirty deal between the EU and Turkey!

+Denounce fortress Europe as the reason for this events and conditions!

+Organize protest against the inhuman EU-policy!

+tear down the borders!

+Support the affected people!

+We are all responsible for this situation here and everywhere!

  • Freedom of Movement is everybodies right! +

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URGENT SUPPORT:

+ Macedonia Support Crew → contact: refugeesupportmacedonia@riseup.net

+ Belgrad Support Crew → contact: refugeesupportserbia@riseup.net

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#naraontour: Bericht vom Abschiebeknast in Korinth

Nachdem wir in Athen verschiedene Camps besucht hatten, wollten wir beim Abschiebeknast in Korinth zumindest kurz vorbeischauen. Die Geschichte des „detention centre“, das von griechischen Aktivist_Innen auch als „concentration camp“ bezeichnet wird, ist eine Geschichte des Leids: 2013 starb Mohammad Hassan im Krankenhaus an den Folgen mangelnder medizinischer Versorgung und an unterlassener Hilfeleistung im zweitgrößten Abschiebeknast des Landes. Nachdem die Behörden wegen der herrschenden Zustände des Taekwando-Stadions in Athen in die Kritik gerieten, wurden viele Flüchtende von dort aus nach Korinth gebracht, andere werden direkt von den Ägäis-Inseln hierher verschifft. 

Anfang des Jahres waren hier 400 Menschen interniert, die Mehrheit von ihnen aus Marokko. Im Januar 2016 wurden etwa 100 marokkanische Geflüchtete aus Korinth abgeschoben… Die Geschichte des „detention centres“ ist aber auch eine Geschichte des Widerstands: Im März 2015 lieferte sich Anarchist_Innen im Rahmen einer Demonstration vor dem Abschiebeknast eine Straßenschlacht mit Sicherheitskräften, im Dezember gab es erneut einen großen Protestmarsch gegen das „concentration camp“. Nachdem es schon in den letzten Jahren immer Hungerstreiks in Korinth gab, setzten im Januar 2016 etwa 30 in Korinth internierte Geflüchtete ihre Matratzen in Brand und versuchten, aus dem Knast auszubrechen. Innerhalb des „detention centres“ gibt es selbstorganisierte Geflüchtetenstrukturen, die z.B. einen Englischkurs aufgebaut haben.

Als wir in Korinth ankamen, sahen wir, dass Polizei und auch Militär im Stadtbild präsent sind. Der Knast selbst, von dem wir Baracken und doppelte Zäune sehen konnten, war aber so abgeriegelt, dass wir kaum hineingucken konnten. Zudem behalten auch Polizeibeamte in Zivil die Umgebung im Auge und sind uns eine Zeit lang gefolgt, nachdem wir weiter gefahren sind. Während die Geflüchteten sich immer wieder über die Unterbringungsstandards beschweren, konnten wir beobachten, wie für das Gefängnispersonal 5-Sterne-Essen geliefert wurde. Zur Mittagszeit – vermutlich während des Schichtwechsels – fuhren viele, im Stadtbild sonst eher seltene Neuwagen auf das Gelände, die Sicherung der Grenzen ist also auch ein Wirtschaftsfaktor für das durch die Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogene Land. Nach den Beschlüssen des EU-Türkei-Gipfels werden Zwangseinrichtungen wie diese in Korinth in Griechenland leider aber noch an Bedeutung zunehmen… Für weitere Infos zum Abschiebeknast in Korinth checkt http://infomobile.w2eu.net/tag/corinth/

       

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#naraontour Bericht 19.03.16

In den ersten beiden Tagen konnten wir uns durch Gespräche mit Flüchtenden im Camp Idomeni selbst, aber auch durch einen Infoaustausch mit weiteren Aktivist*innen im Volunteershaus einen Überblick über akute Probleme vor Ort verschaffen. Bereits vor Beginn der Tour hatten wir uns darauf verständigt, dass wir dabei helfen wollten, Informationen zusammenzutragen, um sie fliehenden Menschen zur Verfügung zu stellen – wenn sie diese nicht schon längst haben.Route
Im Haus erfuhren wir von örtlichen Infostrukturen und bauten Kontakt zu Aktivist*innen von “welcome2europe” auf, was sich als sehr günstig erwies, da diese ohnehin gerade an einem neuen Flyer arbeiteten und wir uns sinnvoll einbringen konnten. Zu Recherchezwecken verabredeten wir, dass wir uns die GPS-Koordinaten der Militärcamps, die von offizieller Seite als Alternative zu Idomeni und Polikastro angepriesen werden, besorgen würden. In einem Gespräch mit einem Menschen in Idomeni hörten wir von einem Camp nahe Athen, in dem die Missstände besonders dramatisch seien. U.a. dürften die Leute das Camp zu bestimmten Zeiten nicht verlassen bzw. betreten. Wir blieben mit ihm in Kontakt, weil er einen Freund von sich, der in eben diesem Camp untergebracht ist, für uns kontaktieren wollte, aber auch, weil sich der Austausch mit Betroffenen immer wieder als sehr interessant erweist.

Nea Kavala1-webAm 17.03.16 machten wir uns dann auf den Weg: Zusammen mit zwei weiteren Menschen aus dem Volunteershaus besuchten wir zuerst das Camp in Nea Kavala unweit von Idomeni. Schnell wurde deutlich, was es für refugees bedeutet, in solchen Camps wohnen zu müssen: UNHCR-Zelte, die im Matsch versinken, andere Zelte, die aber ebenso keine Böden haben und daher keinen Schutz gegen die Feuchtigkeit bieten.  Eine lediglich rudimentäre Versorgung mit Essen, d.h. dass es zwar wie in allen Camps dreimal täglichNea Kavala2-web Essen gibt, die Rationen allerdings laut Aussagen der dort lebenden Menschen nicht ausreichen, um alle zu versorgen. Eine Kleiderausgabe, die nur für eine kurze Zeit am Tag öffnet, so dass viele in ihren nassen Klamotten ausharren müssen. Kein Zutritt zum Camp für Außenstehende, was durch einen Zaun sowie Polizei und Militär am Eingang gewährleistet wird.
Unsere nächste Station war Cherso, ein Ort im Länderdreieck Mazedonien, Bulgarien und Griechenland. Das Camp Cherso liegt auf einem Hügel am Ortsrand des 4500 Seelen-Dorfes und befindet sich derzeit noch im Aufbau, die Arbeiten am Zaun sind allerdings schon in vollem Gange. Es sieht so aus, als würde ein ca. 2,50 Meter hoher Zaun ums Camp gezogen werden, der zusätzlich mit Stacheldraht bestückt ist. Als wir ankamen, trafen wir viele Menschen auf der Wiese rund ums Camp, die teils mit kaltem Wasser ihre Wäsche wuschen oder versuchten, in der Sonne ihre nassen Kleidungsstücke zu trocknen.

Aber auch einige Cherso1-webKindergruppen hielten sich auf der Wiese auf, mit einer von ihnen kamen wir ins Gespräch und wurden eingeladen, auf ihrer Decke Platz zu nehmen. Die drei Geschwister und ihre Freundin berichteten uns – mit einigen Wörtern Englisch und Französisch – von ihrem Leben auf der Flucht und im Camp. Wir sprachen aber auch über witzige Sachen und erzählten von uns. Die Kinder wohnen mit ihren Familien im Camp, welche sie uns vorstellen wollten. Auch hier ist es “Unbeteiligten” verboten, das Camp zu betreten, die Militärpatrouille aber war gerade nicht zu sehen. Cherso3-webWir trafen also den Vater der Geschwister und wurden direkt eingeladen, uns mit ihnen hinzusetzen und Tee zu trinken. Wir befanden uns alle mitten im Matsch vor einem offenen jurtenähnlichen Zelt, in dem die Mutter der Kinder sich ausruhte. Sie befindet sich kurz vor dem Geburtstermin ihres fünften Kindes, welches sie vermutlich in den nächsten Wochen auf einer durchnässten Pappe zur Welt bringen wird. Eine weitere Person im Camp berichtete uns von ihrem vier Monate altem Kind, welches stark erkältet sei und zugeschwollene Augen hätte. Sie hat es einem Arzt vorgestellt, welcher lediglich meinte, dass er nichts weiter tun könne. Auch der Familienvater wusste nicht, wie er seine Frau unterstützen sollte.
Während unserer Anwesenheit kamen einige Kinder mit Plastikschalen voll trockener Nudeln und einem Stück Fleisch. Dies sei das reguläre Essen, anscheinend gibt es auch hier wieder keine Vitamine. Die Babys müssten doch gestillt werden, spezielle Nahrung aber gebe es nicht, so der Familienvater. Wir trafen noch weitere Menschen, die alle von den unmenschlichen Zuständen berichteten. Es gibt weder Duschen noch warmes Wasser, die Waschgelegenheit beschränkt sich auf zwei Wasserschläuche. Cherso2-web
Gerade angesichts all der schlimmen Dingen, die wir hier sahen, war die Gastfreundlichkeit der Flüchtenden überwältigend. Wir konnten mit ihnen gemeinsam lachen und durften selbstgebaute Käscher bewundern, aber auch einen selbstgebauten Ofen. Zum Abschluss wurden noch Fotos gewünscht, welche wir verfremdet veröffentlichen dürfen.
Letztlich nahmen wir aus den Gesprächen abermals mit, dass die Menschen dringend Infos zur Situation an den Grenzen und zur EU-Politik wünschen. Wir hinterließen hier – wie überall anders auch – das Versprechen, wieder zu kommen und Flyer auf den jeweiligen Sprachen mitzubringen, damit die Cherso4-webLeute ihre Rechte, z.B. im Relocationprogramm, kennen und einfordern können. Dies wird ihnen dadurch erschwert, dass sie in den Camps kein Internet haben, weil es keine WLAN-Hotspots gibt.

Auch wegen der Berichte über die katastrophalen Zustände in den Militärcamps hat das DRK gestern angekündigt, eine mobile Gesundheitsstation nach Griechenland zu entsenden, die auf die Standorte Nea Kavala und Cherso aufgeteilt werden soll. Ob MSF dort vor Ort ist, konnten wir noch nicht herausfinden.

Weiter ging es Richtung Thessaloniki. Nach einigen gescheiterten Versuchen, das Camp im Industriegebiet vor der Stadt zu finden, fuhren wir doch dann erst einmal zum Squat Orfanotrofio und nutzen den WLAN-Hotspot im anliegenden Café, das wir schon von unserer letzten Tour im Januar kannten. Dort konnten mit Unterstützung aus Deutschland alle weiteren Adressen und GPS-Koordinaten recherchiert werden, so dass wir dann nach Einbruch der Dunkelheit endlich im Camp in Diavata eintrafen. Hier sind ca. 1900 Menschen untergebracht, was sogar die Einwohner_Innenzahl von Diavata, die bei etwa 1100 liegt, übersteigt. Im Februar brachten 40 Busse viele Flüchtende, die zuvor an der griechisch-mazedonischen Grenze ausgeharrt hatten, in dieses Auffanglager. Auch hier wieder ein Militäraufgebot sowie Polizei im Eingangsbereich. In einer Seitenstraße sind wir jedoch mit Leuten im Camp ins Gespräch gekommen, die berichteten, dass hier die meisten Menschen in containerartigen Bauten zu sechst wohnen. Alles weitere schien sich mit dem zu decken, was wir bereits in den anderen Camps gehört und gesehen hatten. Insgesamt wirkte die Situation dort aber entspannter, wenn mensch von dem Internierungslager-setting absieht. In Diavata kam jedoch nicht nur das Camp wie ein lebensfeindlicher Ort rüber, sondern auch die Umgebung, da sich das Camp in einem heruntergekommenen Industriegebiet zwischen Baracken und in Sicht- und Riechweite einer Ölraffinerie befindet.

Da lange Zeit an der Grenze abgewiesene Flüchtende wieder nach Athen gebracht wurden, wollten wir unbedingt in die Hauptstadt fahren, um die Standards in den dortigen Camps zu dokumentieren.

Das Hockeystadion ist ein verlassener Gebäudeteil des für die Olympischen Spiele 2001 errichteten Olympiakomplexes im Vorort Helliniko im Süden der Hauptstadt. Das Camp öffnete im September 2015, um diejenigen Flüchtlinge unterzubringen, die zuvor in einer anderen Sporthalle übernachten mussten, und hat eine Maximalkapazität zur Unterbringung von 500 Personen. Laut Aussagen der dort untergebrachten Personen wird diese Zahl aber deutlich überstiegen! Hier müssen Flüchtende unter heftigen Bedingungen leben: Sie sind alle in einer großen Halle untergebracht und schlafen dort in Zelten auf dem kalten und harten Steinboden, wodurch ältere Menschen über starke körperliche Schmerzen klagen. Kalte Duschen und Dixieklos sind vorhanden, allerdings auch hier viel zu wenige für die vielen Menschen. Besonders problematisch ist dort neben der fehlenden Privatsphäre die schlecht organisierte Essensausgabe, die – abgesehen von der Tatsache, dass sie direkt neben den Toiletten stattfindet und die Leute beim Schlange stehen dem Regen ausgesetzt sind – so langsam von statten geht, dass nach Ende einer Essensausgabe bereits die nächste wieder beginnt.

Hockeystadion-webHockeystadion2-web
Auch in diesem Camp haben die Flüchtenden keinen Zugang zu Informationen über Handlungsperspektiven und die Situation an der Grenze, ebenso waren die hier erhältlichen Informationen über das offizielle Relocationsprogramm unzureichend. Zwar gibt es wohl täglich Sprechstunden von Ärzt_Innen, die dann jeweils aber nur kurz im Camp sind. Neben der Polizei war während unseres Besuchs auch die Marine anwesend. Wir sprachen auch hier mit Menschen, die teils in der Essensausgabe warteten und daher genug Zeit hatten, uns ihre Geschichten zu erzählen. Um ihnen einen Überblick über die verschiedenen Informationen zu geben, verwiesen wir auf die Homepage von w2eu.net, welche die Leute auch weiterempfehlen wollten.

Am westlichen Stadtrand von Athen gelegen, befindet sich das Camp Eleonas mitten in einem verfallenem Industriegebiet, direkt neben einer Roma-Siedlung. Die Roma-Siedlung ist ein umzäunter matschiger Platz, auf dem notdürftig Hütten aus Müll zusammengebastelt wurden. Lebensfeindlichere Bedingungen sind wahrscheinlich nur noch in Kriegsgebieten zu finden. Von dem am 16. August 2015 eröffneten Camp, das aber immer noch einen besseren Ruf hat als die im Hockey- oder Taekwondo-Stadion, konnten wir nur feste Isoboxen und Essens- sowie Spielzelte sehen. Direkt am Eingang gab es einen Infopoint, an wir aufgehalten wurden. Der Zugang ist nur nach vorheriger Anmeldung und nach Erteilung einer Erlaubnis möglich.
Neben dem Eingangstor vorne, das für die Flüchtenden aber zumindest tagsüber offen steht, gibt es keine anderen Möglichkeiten ins Camp zu kommen, da es von einer Mauer “geschützt” wird. Hier sahen wir nur die Polizei, kein Militär. Die NGO „Save the children“ war zumindest mit einem Auto vor Ort. Es gelang uns leider nicht, Menschen zu treffen, mit denen wir auf Englisch hätten kommunizieren können.

Schisto-webNach längerem Suchen erreichten wir schließlich auch das Militärcamp Schisto. Das Camp befindet sich auf einem Berg inmitten von Containerfriedhöfen und Firmen. Große Laster donnern den ganzen Tag an mehreren Seiten am Camp vorbei, um zur Schnellstraße zu gelangen. Schisto ist ein neu aufgebautes „Verteilungszentrum“, das aber bereits im Februar überfüllt war. Wir trafen eine Gruppe von Leuten etwa unseres Alters, aber auch einen 17jährigen Jugendlichen. Einer aus der Gruppe sprach fließend Englisch und erzählte viel von der Situation im komplett abgeriegelten Camp. Dort hätten fast alle die Krätze, weil es völlig überfüllt und die hygienischen Zustände entsprechend schlecht seien. Es gäbe sogar Quarantänebereiche! Das Camp ist umgeben von Stacheldraht und einem hohen Zaun, versehen mit einem Sichtschutz, der aber teilweise von den Menschen eingerissen wurde. Vor der Tür stand wieder Militär, das – ähnlich wie in deutschen Lagern – eine Art “Hausausweis” der Leute beim Betreten und Verlassen des Camps kontrolliert. Fotos sind explizit verboten, so mussten auch wir irgendwann die Kamera einpacken, als jemand vom Militär neben uns anhielt…
Eine Person aus der Gruppe, mit der wir sprachen, bestätigte das Gerücht, das der Mensch in Idomeni wiedergegeben hatte und demzufolge das Tor ab 22 Uhr geschlossen werde. Er selbst erreichte das Camp abends nach Torschluss und musste die Nacht im Freien und in seinen durchnässten Klamotten verbringen. Zudem zeigte er uns Stellen an seinen Händen, die aus der Mangelernährung resultieren, und betonte, dass fast alle im Camp darunter litten. Außerdem erzählte er uns noch sehr interessante persönliche Sachen: Als er auf Chios ankam, wollte er zunächst dort bleiben, um beim Übersetzen zwischen neu ankommenden Leuten und Volunteers sowie NGOs zu helfen. Er erklärte, dass er zwar nicht mehr besitze als sein Leben, dieses aber trotzdem teilen und anderen Unterstützung bieten könne! Wir erzählten ihm von der Arbeit an der Grenze, so dass er schon überlegt, vielleicht demnächst dort mitzuarbeiten. Auch andere Leute aus der Gruppe berichteten von ihren Erfahrungen im Iran und Afghanistan, zeigten Narben von Misshandlungen seitens staatlicher Behörden. Einer von ihnen meinte, dass er im sogenannten “Dschungel” vier Tage allein ausgeharrt hätte, weil die mazedonische Polizei und Armee überall patrouillierten. Letztlich haben sie ihn doch gefasst und über Skopje zurück nach Griechenland gepusht. Er meinte, dass der “illegale” Weg durch die Balkanstaaten schon jetzt kaum zu schaffen sei, erst recht nicht für Familien mit Kindern. Die Abschiebungen in die Türkei kämen Abschiebungen ins Kriegsgebiet gleich, weil dort Fliehende völlig rechtlos seien und genauso wie im Iran Demo Athen-webbehandelt werden würden. Er wollte wissen, wie die Stimmung in Deutschland sei und erwartete mit Spannung die Ergebnisse der EU-Konferenz, hatte aber auch schon von den Befürchtungen vieler Aktivist_Innen und den internationalen Aktionstagen gehört. Da wir ohnehin in Athen waren, nahmen wir dann auch an der im Rahmen des Tags gegen Rassismus organisierten Demonstration durch die Hauptstadt teil.

Während des Schreibens dieses Berichtes lesen wir parallel gerade die ersten Ergebnisse der EU-Konferenz: der erweiterte Frontex-Einsatz und die Forderung an die griechische Regierung, die Grenzen besser zu „sichern“, damit weniger Menschen die Inseln und das festland erreichen. Die Politik der Abschottung wird immer weiter voran getrieben – Griechenland wird der Ausschluss aus dem Schengen-Raum angedroht, wenn sie nicht mehr Menschen davon abhalten, in die EU einzureisen. Das humanitäre Banner, das insbesondere die deutsche Regierung gerne vor sich herträgt, wird angesichts wirtschaftlicher Interessen schnell weggeworfen. Dafür wird auch Krankheit und Tod tausender Menschen in Kaufgenommen.

In diesem Sinne:

Organisiert Proteste gegen die menschenverachtende EU-Politik +++ Reißt die Grenzen nieder, auch von Deutschland aus +++ Lasst die Betroffenen nicht alleine +++ Wir alle tragen die Verantwortung für die Situation hier und überall +++ Für die globale Bewegungsfreiheit aller Menschen +++

 

Posted in General | Comments Off on #naraontour Bericht 19.03.16

Veranstaltung für Geflüchtete aus Albanien & Kosovo am 23.03.

Geflüchtete aus Albanien und Kosovo in Deutschland:
Asylverfahren oder Visum zur Arbeit?

https://www.facebook.com/events/1107989692566090/?active_tab=highlights

Veranstaltung für Geflüchtete aus „sicheren Herkunftsstaaten“
sowie ihre Unterstützer*innen und alle Interessierten

23.03.16 (Mittwoch), 18 Uhr, Vinetazentrum ( Elisabethstraße 64, 24143 Kiel)
[Die Veranstaltung findet auf Deutsch & Albanisch statt!]

Viele Geflüchtete kommen aus dem Krieg oder aus Diktaturen: Sie kommen aus Afghanistan, Iran, Irak,
Syrien, Eritrea, Somalia oder Jemen. Es kommen aber auch viele aus den „armen Staaten“ Europas:
Albanien, Montenegro, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina oder Kosovo. Diese Geflüchteten, die Anfang 2015 fast die Hälfte aller Asylanträge stellten, wurden fast immer abgelehnt, erhielten eine Aufforderung zur Ausreise mit der Androhung der Abschiebung. Inzwischen ist ihre Zahl auf 1 Prozent aller Asylanträge gesunken (Januar 2016).
Der Bundestag hat im August und Oktober 2015 diese sechs Herkunftsstaaten zu „sicheren Herkunftsstaaten“ erklärt. Damit sind auch die Regelungen im Asylrecht erheblich verschärft worden. Wir wollen uns in dieser Veranstaltung vor allem mit den Geflüchteten aus Albanien und Kosovo befassen. Warum kommen sie, was sind die Gründe für die Flucht und den Asylantrag?
Wie wirken sich die aktuellen Gesetzesänderungen aus? Und welche Möglichkeiten bleibt den Geflüchteten, die schon seit Monaten hier leben und sich durch die Teilnahme an
Deutschkursen um Integration bemühen? Was ist, wenn eine Aufforderung zur Ausreise im Briefkasten liegt?
Wie funktioniert die neue Regelung seit dem 1. Januar, nach dem Einwohnerinnen und Einwohner dieser Länder ein Visum zum Arbeiten in Deutschland bekommen können?

Die Veranstaltung richtet sich an ehrenamtliche Unterstützer*innen ebenso wie an die Geflüchteten selbst.
Der Vortrag ist zweisprachig, eine Dolmetscherin wird auf albanisch dolmetschen.
Der Referent ist Reinhard Pohl (Journalist), es dolmetscht Bahtije Berisha (Dolmetscherin für albanisch)

Mittwoch, 23. März, 18 Uhr, Vinetazentrum
(Elisabethstraße 64, 24143 Kiel)

Eine Kooperation von:
Projekt „dazugehören“, ZBBS e.V.
netzwerk antirassistische aktion kiel [nara]

Gefördert durch
Aktion Mensch und die Rosa-Luxemburg-Stiftung SH

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